Das Oswald

Oswald-von-Nell-Breuning-Berufskolleg in Coesfeld

Podiumsdiskussion Gerechtigkeit

„Soziale Gerechtigkeit ist mehr als Verteilungsgerechtigkeit“

Was ist eigentlich gerecht? Eine spannende Diskussion unserer Schülerinnen und Schüler mit MdB Karl Schiewerling, hier im Bild mit Schulleiterin Monika Stoll-Röhl und Fachlehrer Josef Kortüm.

 

MdB Karl Schiewerling diskutierte mit Schülerinnen und Schülern unserer Schule

Ist „Hartz IV“ gerecht? Ist es für andere Menschen wiederum gerecht, wenn sie jeden Tag für ein eher bescheidenes Einkommen hart arbeiten müssen? Und können Manager-Gehälter überhaupt gerecht sein? Oder eben, wie es eine Schülerin sehr direkt nachfragte: „Herr Schiewerling, was bedeutet eigentlich für Sie persönlich soziale Gerechtigkeit?“ Was ist eigentlich gerecht?" Antworten aus verschiedenen Blickwickeln auf diese komplexe Fragestellung gab in einem sehr grundsätzlichen Referat und einer anschließend spannenden Diskussionsrunde am Dienstag (3.Nov. 2009) der Bundestagsabgeordnete Karl Schiewerling (CDU) in Coesfeld. Der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitiker aus Nottuln diskutierte dabei eineinhalb Stunden mit gut 50 Schülern unseres Berufskollegs. Eingeladen hatten Schulleiterin Monika Stoll-Röhl und Fachlehrer Josef Kortüm.

MdB Schiewerling verknüpfte diese grundsätzliche Analyse des Gerechtigkeits-Begriffs mit ganz praktischen Beispielen aus der Real-Politik des Bundes sowie aus dem normalen Alltagsleben. Der Politiker zeigte dabei ein sehr differenziertes Bild des Begriffes „Gerechtigkeit“ auf, basierend auf den Grundlagen des christlichen Menschenbildes.

„Soziale Gerechtigkeit ist mehr als Verteilungsgerechtigkeit. Es geht um die Frage, ob die Spielregeln in unserer Gesellschaft gerecht sind, und nicht wie viel Geld der einzelne im Vergleich zu seinem Nachbarn hat“, betonte MdB Schiewerling sehr grundsätzlich: „Gerechtigkeit ist nicht mit Gleichheit zu verwechseln.“ Gerade die Gerechtigkeits-Debatte im Zusammenhang mit unserem Wirtschaftssystem allgemein und zu einzelnen Exzessen der Finanzkrise betrachtete der Wahlkreisabgeordnete besonders intensiv. In seinem Referat  führte MdB Schiewerling klar zu den Wurzeln unseres Wirtschaftssystems zurück: „Die Antwort darauf ist die Soziale Marktwirtschaft, das Grundprinzip des freien Marktes mit einem verantwortlichen Regelwerk, der schöpferischen Entwicklung der freien Menschen, der inhabergeführte mittelständische Betrieb und der kreativen Mitarbeiter. Sozial gerecht sind  eine Marktwirtschaft und ein Staatssystem also nur dann, wenn jeder nach seinen Begabungen und nach seinen Fähigkeiten die Möglichkeit hat, sich daran zu beteiligen.“

Diese Teilhabegerechtigkeit ergänzte MdB Schiewerling eben mit der klaren Notwendigkeit einer Chancengerechtigkeit. Er verdeutliche dies an Beispiel der so genanten „vererbenden Sozialhilfe“; gemeint sind damit Kinder, die in dritter oder gar vierten Generation im Sozialhilfe-System leben. „Diesen Kinder hilft eine reine Verteilungsgerechtigkeit im Sinne von mehr oder weniger Euros für den reinen Lebensunterhalt nicht viel. Nein, hier geht es darum, dass sie die Chancen bekommen aus diesem Teufelskreiskauf herauszukommen und die Chance erhalten, ihr Leben eigenverantwortlich zu gestalten. Eben Chancengerechtigkeit.“Teilhabe- und Chancengerechtigkeit seien für ihn die Kernherausforderungen, wenn es um die große Frage nach mehr sozialer Gerechtigkeit geht. „Wie dürfen uns bei der Sozialpolitik nicht ausschließlich auf die Bereiche Verteilungs-, Bedarfs- oder Leistungsgerechtigkeit reduzieren lassen. Nur dann werden wir den Menschen und unserer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung wirklich gerecht!“, sagte MdB Schiewerling.

In der Diskussion warfen die Schüler auch Fragen nach der Generationengerechtigkeit auf. „Wie können wir mit der riesigem Schuldenberg zurecht kommen? Ist das gerecht?“, wie ein Schüler treffend nachhakte. (Quelle: AZ, bearbeitet)