Das Oswald

Oswald-von-Nell-Breuning-Berufskolleg in Coesfeld

Bewerbungstraining HBF-12

Wertvolle Profi-Tipps aus der Praxis

Das Bewerbungsverfahren - eine Hürde, die zu meistern ist.

Endlich ist es soweit: das Führen von Vorstellungsgesprächen. Die Fahrkarte in einen neuen Job und dennoch fürchten diese Situation die meisten. Dabei kann man ganz klar vorbeugen: durch Vorbereitung.

Um nach unserer Ausbildung zu kaufmännischen Assistenten/Assistentinnen für Fremdsprachen erfolgreich ins Berufsleben starten zu können, hatten wir nun die Möglichkeit, Tipps und Tricks kennenzulernen. Drei Monate vor Ausbildungsabschluss probte unsere Klasse den Ernstfall. Experten der Firma Parador, der Barmer-GEK sowie der Sparkasse Coesfeld machten uns fit für anstehende Vorstellungsgespräche und Assessment-Center.

Innerhalb des Unterrichts haben wir zuvor alle Bestandteile einer Bewerbungsmappe bearbeitet. Das Bewerbungsschreiben, das auf einer DIN-A4-Seite ausdrücken soll, weshalb man für den Job geeignet ist und der Lebenslauf, der den Unternehmen die bisherige Entwicklung und die Qualifikationen aufzeigt. Frau Große Vogelsang, Personalverantwortliche bei Parador, ließ uns eine Stellenanzeige ihres Unternehmens zukommen. Fiktiv wurde „ein/e Mitarbeiter/in im Vertrieb Export" gesucht. Anhand dieser Stellenanzeige entwickelten wir ein bedarfsgerechtes Bewerbungsschreiben, in welches wir die geforderten Hard- und Softskills unserem persönlichen Profil anpassten. Natürlich beherbergt jede Bewerbungsmappe noch zusätzliche Zertifikate, Nachweise und Zeugnisse; diese sind allerdings von Person zu Person unterschiedlich und in verschiedener Anzahl enthalten. So weit, so gut. Der schriftliche Teil war geschafft und nun erhält man die Einladung zum Vorstellungsgespräch. Jetzt heißt es sich vorbereiten. Während des Unterrichtes haben wir wichtige Fragen herausgearbeitet, die in jedem Vorstellungsgespräch vorkommen können. Absolute Dauerrenner sind zum Beispiel Fragen nach den Stärken und Schwächen oder warum man selbst gerade der oder die Richtige für den Job sei. Man sollte sich im Vorfeld ausführlich mit seiner Persönlichkeit befassen und seine Vor- und Nachteile kennen. Auch auf die eigene Körpersprache, also auf Gestik, Mimik und Haltung ist besonders zu achten, um einen souveränen Eindruck zu machen.

Nach vorbereitender Teamarbeit kam endlich der große Tag - der Besuch bei Parador. Parador ist ein mittelständisches Unternehmen aus Coesfeld mit 550 Mitarbeitern, das seine Einrichtungsprodukte, wie Parkett und Laminat, international vertreibt. Frau Große-Vogelsang führte uns in den Konferenzsaal, um dort unser Können zu testen. Vier Mitschüler erklärten sich bereit, sich der Herausforderung zu stellen und den sowohl typischen als auch ungewöhnlichen Fragen Rede und Antwort zu stehen. Nach kurzem Smalltalk, um die Stimmung zu lockern, ging es dann los. Hierbei merkten einige schnell, dass unüberlegte Aussagen zum Bumerang werden können. Es schien fast wie im Gericht: alles kann gegen einen verwendet werden. Man sollte Aussagen über sich erläutern und mit Beispielen belegen. Ist man geduldig? Aber wieso? Woran macht man diese Eigenschaft fest? Kellnert man vielleicht und hat letztens noch einen Kunden zufrieden gestellt, der seine Bestellung unberechtigterweise zurück gehen ließ, im Glauben, er hätte etwas anderes verlangt? All dies zeugt von Souveränität und macht einen seriösen Eindruck auf den Gegenüber. Wichtig ist es auch, die Ziele des "Traum-Unternehmens" zu kennen. Man sollte informiert sein und sich mit den Zielen des Unternehmens identifizieren können. Wenn jemand hinter dem steht, was er tut und aus Überzeugung handelt, arbeitet er auch gut, so die Erkenntnis der Personalchefin.

Sollte man nach den Schwächen gefragt werden, ist jede Eigenschaft zu vermeiden, die ein K.O-Kriterium für diese Stelle ist. So kann man kein Fremdsprachenkorrespondent werden, wenn einem die Sprachen nicht liegen. Negative Eigenschaften wie Perfektionismus oder Überpünktlichkeit, die in einem Gespräch erklärt werden können, wären zu bevorzugen. Ein besonders heikles Thema ist wohl das Gehalt. Man sollte keine Spannen angeben. So hat das Unternehmen die Chance, die untere Grenze zu wählen. Man sollte am besten wissen, was man "drauf hat" und leisten kann, deswegen sollte man sich angemessen einschätzen und das Unternehmen von sich überzeugen können. Am Ende eines Vorstellungsgespräches bietet das Unternehmen immer die Möglichkeit, noch zusätzliche Fragen zu stellen. Diese Chance sollte man nicht ungenutzt lassen. Fragen stellen heißt Interesse zeigen. Hierbei bieten sich Fragen zu Weiterbildungsmöglichkeiten, zum Team oder zur Arbeitsorganisation an. Sollte das Unternehmen nochmals fragen, wann das Arbeitsverhältnis beginnen könne, nennt man auf jeden Fall den frühestmöglichen Eintrittstermin. Dieses Vorgehen kann ebenfalls Pluspunkte bringen.

Vielen Unternehmen reicht mittlerweile ein einfaches Vorstellungsgespräch nicht mehr aus. Zusätzlich wird häufig ein Assessment-Center durchgeführt, um die geeignetsten Mitarbeiter zu finden. Hierbei werden alle Bewerber, die sich für die Stelle eignen könnten, auf Herz und Nieren getestet. Beim Assessment-Center wird besonders auf die Persönlichkeit Wert gelegt, die anhand verschiedener Aufgaben von Beobachtern analysiert wird. Beispiele für diese Aufgaben sind: Gruppendiskussionen, Selbstpräsentationen, Postkorb-Übungen, sogar Essen gehen. Auch hier hatten wir die Gelegenheit praktische Erfahrungen zu sammeln. Frau Temming von der Barmer-GEK und Herr Bönning, Filialleiter der Sparkasse Coesfeld-Lette, gaben uns hierbei nützliche Ratschläge. Bei den gestellten Aufgaben wird besonders darauf geachtet, wie höflich man ist, ob man ein aktiver Teilnehmer ist und auch Stellung bezieht bzw. Beiträge leistet und welche Prioritäten man setzt. Man sollte andere Gruppenteilnehmer immer zu Wort kommen lassen und warten, bis sie ihre Aussagen zu Ende geführt haben. Sollten sich in der Gruppe schüchterne Teilnehmer befinden, sollte man diese "aktivieren", indem man sie beispielsweise nach ihrer Meinung fragt. Das macht einen guten Eindruck. Allgemein fällt positiv auf, wenn man Eigeninitiative zeigt, indem man sich z.B. freiwillig bei Präsentationen meldet. Überall lauern kleine Fallen. Möchte man Kaffee trinken und es ist allerdings nur noch eine Milch da, sollte man sie in keinem Fall selbst beanspruchen! Man bietet sie einem anderen an und kümmert sich selbst um Nachschub. Sieht man einen Stift auf dem Tisch stehen, dessen Deckel nach oben zeigt, dreht man diesen um oder legt ihn hin. Sonst läuft die Farbe hinunter und man steht, im Falle einer Präsentation, vorne ohne funktionierendes Schreibwerk.

Alle Personalverantwortlichen gaben uns den Rat, bei dem was man tut, man selbst zu bleiben. Man sollte auf eine positive, authentische Art und Weise auf sich aufmerksam machen und sich vor allem nicht von Emotionen, wie Wut oder Aufregung, leiten lassen. Man sollte ernst aber dennoch entspannt genug bleiben, um clever mit Situationen umzugehen.

Die Gespräche bei Parador und das Assessment-Center der Barmer-GEK und der Sparkasse Coesfeld haben uns die Möglichkeit gegeben, tückischen Fallen, die im Bewerbungsgespräch / beim persönlichen Treffen auf einen lauern, geschickt zu umgehen und einen positiven Eindruck zu hinterlassen. Sollte jemand planen, sich demnächst zu bewerben, sind auf jeden Fall Informationen und Tipps zum Thema einzuholen. Fragt eure Freunde, simuliert Vorstellungsgespräche - auch Small Talk will gelernt sein. Mit guter Vorbereitung seid auch ihr für diese Hürde gewappnet.

(von Corinna Gresenz und Sarah Terhürne, HBF12)

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