Das Oswald

Oswald-von-Nell-Breuning-Berufskolleg in Coesfeld

Ethikseminar 2016

Wirtschaft & Ethik (Schülerseminar 2016)

„Wie steht es mit der Moral in der Marktwirtschaft, insbesondere in der sozialen Marktwirtschaft?“

Der Jesuit Pater Oswald von Nell-Breuning, bekannter katholischer Theologe, anerkannter Nationalökonom und Sozialphilosoph, hatte sich dieser und ähnlicher sozialethischer Fragestellungen gewidmet.

Grundlage seines Denkens bildeten die drei Prinzipien der katholischen Soziallehre: Personalität, Solidarität und Subsidiarität.

Grund genug für die Schülerinnen und Schüler  der Jahrgangsstufe 12 des Beruflichen Gymnasiums, die  relevante Haltung des Namenspatrons unseres Berufskollegs näher zu beleuchten und ein sozialethisches Denken und Handeln in der derzeitigen Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik zu hinterfragen.

Das zweitägige wirtschaftsethische Schülerseminar fand in der Akademie Franz Hitze Haus in Münster im Zeitraum vom 25. bis 26. Januar 2016 statt. Es bot ein überzeugendes schüleraktives Diskussions-, Beratungs- und Orientierungsangebot, das über die Inhalte des regulären Wirtschaftslehreunterrichts hinaus wies.

Ist es ethisch vertretbar, ein Fußballtrikot zu kaufen, das im Verkaufspreis über 80 Euro kostet, dessen Material- und Fertigungskosten aber gerade mal nur 14Cent ausmachen dürften? Kann die Gesellschaft es zulassen, dass in Bangladesch menschenunwürdige Produktionsbedingungen herrschen, die aus Sicht der vorrangig westlichen Textilunternehmen utopisch niedrige Bezugspreise ermöglichen, die wiederum über niedrige Verkaufspreise gewinnbringend an die Käuferschaft weitergegeben werden?

Im Unterricht haben die Schülerinnen und Schüler demgegenüber erlernen können wie Unternehmen im Wettbewerb sich strategisch ausrichten und wirtschaftlich handeln, somit planmäßig und effizient über knappe Ressourcen für eine bestmögliche Bedürfnisbefriedigung der Konsumenten entscheiden. Die Unternehmen konkurrieren daher auf den Märkten mit der Qualität ihrer Produkte, den Verkaufs-preisen um ihre Kunden, sie streben dabei kontinuierlich Wettbewerbsvorteile an, die sie von der Konkurrenz abheben sollen.

Die Ausrichtung der Unternehmen richtet sich daher nach betriebs- und volkswirtschaftlichen Aspekten somit nach den Erwartungen,  Ansprüchen und Verhaltensweisen der Kunden.

Oswald von Nell-Breuning übte Kritik an dieser „kapitalistischen“ Haltung.        

Das verabsolutierte Gewinnstreben sei prinzipiell antiökonomisch, asozial und egoistisch. Er trat demgegenüber für eine Ausrichtung einer Gesellschaft ein, die für Gleichwertigkeit von Lohnarbeit und Kapital, eine Sozialbindung des Eigentums und das Ziel einer „neuen Gesellschaftsordnung“ steht. Sein Interesse konzentrierte sich seit Beginn der 50er Jahre zunehmend auf die aktuellen Fragen der Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik. Er setzte sich insbesondere mit den Fragen einer wirtschaftlichen Neuordnung auseinander.

Herr Christoph Neuhaus, Wirtschaftspädagoge und ehemaliger stellvertretender Schulleiter unseres Berufskollegs, konnte als Referent gewonnen werden, das Schülerseminar zu den „Basics“ der Wirtschaftsethik zu leiten.

Als Impuls griff Neuhaus  den Grundgedanken der Ordo Socialis („Soziale Ordnung“) der katholischen Soziallehre Nell-Breunings auf, erörterte darauf aufbauend kontroverse Fragestellungen aus der gegenwärtigen Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik.

Die Schülerinnen und Schüler setzten sich in Diskussionsrunden und  arbeitsteiligen Gruppenarbeiten mit den Spielregeln der Marktwirtschaft und Spielzügen der Unter-nehmen auseinander. Sie diskutierten beispielsweise zum Thema Fracking die fragwürdige Haltung amerikanischer Energiekonzerne oder ob der Erwerb eines Trikots der Nationalmannschaft unter den bekannten Herstellungsbedingungen erstrebenswert und ein Kauf zu verantworten sei. Ein Planspiel zur Kartellbildung verhalf, die unternehmerische gewinnstrebende Einstellung zu überdenken.

Das Seminar endete musikalisch mit dem Titel des Künstlers Tim Bendzko „Nur noch kurz die Welt retten“. Ist demnach die Moral in der Marktwirtschaft nur als illuso-risches Denken und Idealismus zu bewerten?

Die Wirtschaft wird aus Sicht vieler Unternehmen offensichtlich nicht als „Wohlfahrts-unternehmen“ bewertet und diese dürfte somit kontraproduktiv zum sozialethischen Gedanken stehen. Auch handeln vielfach Konsumenten „strategisch egoistisch“ und streben Kaufvorteile im Sinne der Werbebotschaft „Ich bin doch nicht blöd!“ an. 

Aus Sicht der Seminarteilnehmer zumindest denkwürdige Ansätze, die gerade für die Schülerinnen und Schüler des Beruflichen Gymnasiums – im Hinblick auf deren zukünftig zu erwartende gesellschaftlichen Rolle und anzustrebende berufliche Führungsverantwortung - Beachtung finden sollten. So dürften sicherlich viele von ihnen zukünftig in veantwortungsvollen Positionen stehen, die auch sozialethische Perspektiven berücksichtigen sollten.

„Das Schülerseminar hat uns nachdenklich gestimmt und über die mediale Berichterstattung hinaus Impulse setzen können. Auch bot das Seminar die Gelegenheit, mit der gesamten Jahrgangsstufe wieder zusammen zu sein“, so die überwiegenden Einschätzungen einer abschließenden Evaluation.

Rettig

 

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