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„Nie Schweigen“ – Das Oswald folgt dem Auftrag von Esther Bejarano und stellt die Themen Antisemitismus und Erinnerungskultur in den Fokus

Lesung und anschließende Diskussion mit MdB Petra Pau und Abraham Lehrer

 

Am 22.8.2022 begrüßten die Schülerinnen und Schüler der GYG-20 sowie der ZBG-21 die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Petra Pau sowie Abraham Lehrer, seines Zeichens Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, der bereits zum zweiten Mal in Coesfeld zu Gast am Oswald war.

 

Schulleiter Marc-André Tews hieß in seiner Ansprache zu Beginn Landrat Dr. Christian Schulze-Pellengahr, den Vertreter des Paten der Initiative „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, Herrn Dirk Michalowski vom VfL Bochum 1848 e.V., Frau Sommerfeld vom Coesfelder Stadtmuseum „Das Tor“, sowie den Vorsitzenden des Fördervereins Christian Overhage, herzlich willkommen. In seinen einleitenden Worten verwies Tews auf das Attentat von München 1972, das sich in diesem Jahr zum 40. Mal jährt sowie die zunehmenden antisemitischen Vorfälle in den letzten Jahren und stellte somit die aktuelle Relevanz der Veranstaltung heraus.

 

„Nie schweigen“, so lautet das Vermächtnis von Esther Bejarano, das auch den Titel der Veranstaltung bildete, welche durch die Initiatoren, Ina und Christoph Rupprecht, auf den Weg gebracht wurde. Esther Münch, Ina Rupprecht und Florian Bessel lasen aus dem gleichnamigen Buch, welches in Zusammenarbeit mit Sascha Hellen im Bonifatius Verlag erschienen ist. Esther Bejarano (1924-2021) setzte sich Zeit ihres Lebens im Kampf gegen das Vergessen und für Toleranz ein. Sie überlebte die Shoa nur, weil sie im „Mädchenorchester von Auschwitz“ spielte, wo sie ihren Peinigern ins Auge blicken und Marschmusik spielen musste. Als eine der wenigen Überlebenden von Ausschwitz war sie bis zu ihrem Tod im Juli 2021 als Mahnerin aktiv und suchte insbesondere den Kontakt zu Jugendlichen.

 

Ihre persönliche Geschichte und ihre mahnenden Worte fesselten die Schülerinnen und Schüler wie auch die anderen Gäste.

 

 

 

Im Anschluss an die 30-minütige Lesung entwickelte sich eine interessante Diskussion mit wichtigen Erkenntnissen rund um die Themen Demokratie, Erinnerungskultur und Antisemitismus. Die Schülerinnen und Schüler nutzten die Chance und befragten Petra Pau und Abraham Lehrer zu den unterschiedlichsten politischen und gesellschaftlichen Bereichen.

 

„Was tun, wenn man antisemitische Aussagen in seinem Alltag hört?“ fragte eine Schülerin. Es sei wichtig, sich selbst zu schützen und sich nicht in Gefahr zu begeben entgegnete Lehrer, aber eine Haltung zu zeigen und dadurch zu dokumentieren, dass man anderer Meinung ist, könne jeder. Petra Pau, ihrerseits dienstältetste Bundestagsvizepräsidentin unterstützte die Aussage Lehrers und ergänzte: „Es ist wichtig, frühzeitig und präventiv rechtsextremistischen Haltungen entgegenzutreten und diese im Keim zu ersticken“.

 

Neben einem starken Plädoyer für die Demokratie und über die Angst vor Hass in der heutigen Zeit gab Pau zudem Einblicke in ihre parlamentarische Arbeit und sprach von Freundschaften über die Grenzen der Fraktionen hinaus.

 

 

 

Hinsichtlich der Prävention von antisemitischen und antidemokratischen gedanklichen Strömungen warben Pau und Lehrer dafür, mit allen Bürgerinnen und Bürgern in den Dialog zu treten, um ein besseres Verständnis füreinander und ein gemeinsames Miteinander zu entwickeln: „Allerdings macht dies nur Sinn, wenn man auf der Gegenseite das Gefühl hat etwas bewegen zu können – ansonsten ist es vergebene Liebesmüh“, so Lehrer und stellte die Haltung des Zentralrates im Hinblick auf den Austausch mit rechtspopulistischen Parteien klar.

 

 

 

Nahezu alle Fragen der Schülerinnen und Schüler konnten beantwortet werden. Lediglich die Frage nach einer friedlichen Lösung des Konfliktes zwischen Israel und Palästina sollte an diesem Tage offenbleiben.

 

 

 

Sichtlich beeindruckt von der nachhaltigen Arbeit des Oswalds zeigten sich der SOR-SMC Pate „VfL Bochum 1848 e.V.“ in Person von Herrn Michalowski, der seit nunmehr zwölf Jahren ein zuverlässiger Partner ist, ebenso wie der Vorsitzende des Fördervereins, Herr Christian Overhage. Dieser übergab den Gästen ein kleines Präsent, dankte den Beteiligten für ihr Engagement und sprach den Wunsch nach weiteren Veranstaltungen dieses Formates aus. Eine Antwort seitens Lehrers ließ nicht lange auf sich warten: „Ich tue dies hier sehr gerne – ich war bereits zum zweiten Mal hier, ich komme auch gern ein drittes Mal“. Dem schloss sich auch Frau Pau an.

 

 

 

„Ihr sollt die Stimme gegen das Vergessen sein, wenn wir nicht mehr da sind“

 

Dieses Zitat von Esther Bejerano, die sich Zeit ihres Lebens für Toleranz und gegen das Vergessen einsetzte ist Ansporn und Auftrag zugleich, dem sich das Oswald auch zukünftig gerne stellen wird.